Concordia

Ein Wirtschaftsspiel im antiken Rom, bei dem der Preis für den Erwerb von Waren identisch ist mit dem für den Verkauf selbiger klingt merkwürdig. Besonders dann, wenn es auch noch vorgibt, ein Deckbauspiel zu sein, aber die Handkarten nicht von einem gemischten Stapel gezogen werden. Tatsächlich ist Concordia ein Aufbauspiel, bei dem es auf die richtigen strategischen Entscheidungen ankommt. Satt Mitspieler zu bekämpfen, profitiert man lieber von ihren Aktionen. Was sich kompliziert anhört, lässt sich anhand von sieben Personenkarten schnell erklären.

Weinreiches Sizilien

Worum geht es in diesem Spiel

Mächtige Familien wetteifern in der Blütezeit des römischen Imperiums  darum, ihren Einfluss auszudehnen. In den Städten der verschiedenen Provinzen werden dazu eigene Handelshäuser errichtet. Dies ermöglicht den Zugriff auf Waren, die dort produziert werden. Der Verkauf dieser Waren steigert den Reichtum und bietet die Möglichkeit zur weiteren Expansion. Nur wer am Ende auch die Gunst der Götter auf seiner Seite hat, wird in diesem Wettstreit als Sieger hervorgehen.

Die Spielerinnen und Spieler übernehmen dabei die Führung einer der namenlosen Familien. Ausgestattet mit einem Lagerhaus, einer Hand voll Waren und etwas Startkapital versuchen sie sich mit Hilfe ihrer Kolonisten auf dem Spielplan auszubreiten und lukrative Städte möglichst als Erster zu besetzen.

Das Spiel endet, sobald die letzte ausliegenden Personenkarte gekauft wurde oder aber, wenn ein Spieler alle Kolonisten auf dem Spielplan eingesetzt hat. Erst dann erfolgt die Abrechnung der Siegpunkte.

Spielablauf

Zunächst entscheiden sich die Spielerinnen und Spieler für eine der beiden Spielplanseiten. Das Szenario Impierum ist für drei bis fünf Mitspieler, Italia für zwei bis vier geeignet. Dann erhält jeder sein Lagerhaus-Tableau und die Spielfiguren in seiner Farbe. Dazu gibt noch einen Satz sieben von Personenkarten, der bei allen identisch ist. Jeder wird auch noch ausgestattet mit dem gleichen Warenmix. Unterschiede gibt es nur in der Höhe des Startkapitals.

Der zufällig ermittelte Startspieler bekommt fünf Sesterzen, alle nachfolgenden Spielerinnen und Spieler jeweils eine Sesterze mehr als die vorherige Person in Spielreihenfolge. Wer als letztes an der Reihe ist, erhält zudem noch die Karte Praefectus Magnus — mit ihr kann man einmalige einen Provinzbonus bei der Aktion des Präfekten verdoppeln, bevor die Karte dann gegen den Uhrzeigersinn weitergegeben wird. Die Karte des Praefectus Magnus gibt zudem bei Punktegleichstand am Spielende den Ausschlag.

Alle Spielerinnen und Spieler starten mit jeweils einem Land- und einem Seekolonisten in Rom(a). Eine eigener Spielzug besteht im ausspielen einer Personenkarte von der Hand und dem durchführen der darauf aufgeführten Aktion. Es gibt weder eine feste Rundzahl noch unterschiedliche Phasen bei Concordia. Alles funktioniert über eigenen Personenkarten, von der Bewegung der Kolonisten, über Produktion und Handel bis hin zu wieder aufnehmen der ausgespielten Handkarten.

So lassen sich etwa mit dem Architekten zunächst eigene Kolonisten bewegen. Die Anzahl der Felder, die alles zusammen bewegt werden dürfen, entspricht der eigenen Zahl von Kolonisten auf dem Spielplan. Seekolonisten bewegen sich auf dem Wasser, Landeskolonisten über Straßen.

Anschließend kann in Städten, die an eigenen Kolonisten angrenzen, ein Haus gebaut werden. Die Kosten dafür unterschieden sich je nach dem, welche Ware in der Stadt produziert wird und ob bereits andere Spielerinnen und Spieler in dieser Stadt mit einem Haus vertreten sind.

Auch wenn es teurere ist, in bereits von anderen besiedelten Städten zu bauen, lohnt sich dies spätestens dann, wenn einer dieser anderen Mitspieler den Präfekten spielt und genau die Provinz auswählt, in der man selber vertreten ist.
Durch den Präfekten werden in allen Städten der gewählten Provinz die jeweiligen Waren produziert. Zusätzlich erhält der Ausspielende den so genannten Provinzbonus, die wertvollste der produzierten Waren in der Provinz. Alle Spieler Häuser in den Städten der gewählten Provinz haben, erhalten dann Waren aus den Städten für ihr Lagerhaus. Man profitiert also in diesem Fall von der Aktionen seiner Mitspieler. 

Das Gleiche gilt auch, wenn die Karte des Präfekten genutzt wird, um die zweite Aktion auf der Karte zu nutzen. Jedes Mal, wenn ein Präfekt in einer Provinz Waren produzieren lässt, wird der Bonusmarker dieser Provinz auf die Seite mit Sesterzen gedreht. In der entsprechende Provinz kann daher erstmal nichts mehr produziert werden. 

Durch die zweite alternative Aktionsmöglichkeit des Präfekten kann der Mitspieler, welcher in ausspielt,  von den Bonusmarkern, welche Sesterzen zeigen, den entsprechenden Betrag erhalten, bevor er sie wieder auf die Produktionsseite zurückdreht. Nachfolgende Spielerinnen und Spieler mit Häusern in den soeben zurückgedrehten Provinzen können dann wieder durch ausspielen eines eigene Präfekten produzieren lassen.

Die weitere Personenkarten, die jeder zu Spielbeginn auf der Hand hat, ermöglichen den Verkauf beziehungsweise Kauf von Waren, das Kopieren eine Aktion eines Mitspielers, den Erwerb neuer Personenkarten oder aber die Rücknahme aller ausgespielten Handkarten.

Durch den Kauf der ausliegenden zusätzlichen Personenkarten eröffnen sich einem neuen Möglichkeiten, auch weil die zusätzlichen Personkarten über stärke Aktion verfügen.

Verteilungskämpfe um römische Provinzen

Spielgefühl

Bereits das Erklären der Spielregeln von Concordia macht im Gegensatz zu vielen anderen Brettspielen Spaß. Man baut den Spielplan auf, sagt, wann eine Partie zu Ende ist und erklärt dann die sechs unterschiedlichen Personenkarten. Es folgt ein Hinweis zur Punktwertung am Ende, mehr an Informationen ist nicht nötigt, um Concordia spielen zu können.

Jede Karte steht mit ihren Aktionsmöglichkeiten für sich und doch ergeben die einzelnen Spielzüge im Idealfall eine Kombination. Die Reihenfolge beim ausspielen ist ein wichtiger Bestandteil der eigenen  Strategie. Man möchte in jedem Fall Leerzüge vermeide, also etwa den Architekten ausspielen, seine Kolonisten bewegen, aber nicht bauen können, weil einem die erforderlichen Waren fehlen.

Mit dem Präfekten in einer Provinz produzieren zu lassen bringt einem wenig, wenn das eigene Lagerhaus voll ist, da überzählige Waren verfallen. Der Merkator als Möglichkeit, Waren zu Handel sollte in seiner Wirkungsweise verinnerlicht werden. Egal ob man kauft oder verkauft, es dürfen in einem Zug immer nur zwei unterschiedliche Warensorten betreffen. Das zwingt zum vorausschauenden Planen, um für die nächste Bewegung des Architekten und eine anschließende Bauaktion sowohl Geld als auch die passenden Waren zur Verfügung zu haben.

Auch den richtigen Zeitpunkt zu finden, wann man durch ausspielen des Tribuns seine Handkarten wieder aufnimmt, erfordert das Abwägen der Konsequenzen. Wartet man bis zur letzte Karte, bekommt man zusätzliche Sesterzen, muss dann aber unter Umständen bis dahin mit den noch zu übrigen Karten schwächere Züge in Kauf nehmen. 

Wird der Architekt gespielt, ohne das man Eisen und Korn im Lagerhaus hat, um damit einen neuen Kolonisten ins Spiel zu bringen so wie sein Lagerhaus zu vergrößern, verschenkt man auch wieder Potential.

Die Punktwertung am Spielende erfordert in jedem Fall den Erwerb von zusätzlichen Personenkarten mittels Senator. Bis zu zwei Karten dürfen gekauft werden, wenn er ausgespielt wird. Dazu benötigt man die auf den Karten ausgedruckten Waren und zusätzliche weitere, abhängig davon, auf welcher Position der Kartenlablage sich die gewünschten Karten befinden. Wer Karten erwirbt, sollte zwei Dinge im Auge haben. Die Aktion, welche ihm die neue Karte ermöglicht und die unten abgedruckte Gottheit. Sie bestimmt am Ende, in welcher der sechs Kategorie mit der Karte zusätzliche Punkte erlangt werden können. Ein Bauer bringt nur was, wenn man auch über genügend Häuser in Städten verfügt, in denen Nahrung produziert wird. Den nur das belohnt Minerva.

Eigene Möglichkeiten im Blick haben, den richtigen Zeitpunkt wählen, dass macht einen großen Teil von Concordia aus. Dadurch, dass in jeder Partie die Städte immer wieder andere Waren produzieren, muss die Route sowohl daran als auch an die Spielweise der Mitspielerinnen und Mitspieler angepasst werden. Auch die Reihenfolge der Personenkarten auf der Kartenablage ändert sich. Auf diese Weise bleibt Concordia immer aufs Neue spannend. Selten gleicht eine Partie der anderen.

Spielmaterial

Zum erwähnenswerten Spielmaterial von Concordia gehören in jedem Fall die Spielregeln und die Übersicht für den Schnelleinstieg. Ganz zehn Sätzen umfasst die Erklärung des Spielablaufs. Die Genialität besteht darin, dass sämtliche Personenkarten mit ihren jeweiligen Aktionen fast selbsterklärend sind. Regellücken wird man nicht finden.

Die Holzeile hinterlassen einen guten haptischen Eindruck, einzig die Farbgestaltung bei Wein und Ziegel könnte deutlicher sein.

Gelungen ist in jedem Fall, für eine unterschiedliche Anzahl an Mitspieler einen zweiseitigen Spielpan anzubieten, der sich jeweils spürbar anders spielt. Stadtplättchen und Bonusmarker sind aus stabilen Karten, ebenso die Lagerhäuser. Besonders praktisch bei dennen ist die Rückseite, die noch mal zeigt, wie zu Spielbeginn die Startresourcen verteilt werden.

Selbst die Farbwahl führt bei Concordia dazu, dass man einen übersichtlichen und trotzdem stimmungsvollen Spielpan vor sich hat. Die einzelnen Provinzen sind sowohl benannt, summiert als auch farblich markiert, so dass sich die Felder für die dazugehörigen Bonusmarker gut zuordnen lassen.

Die Stadtplättchen mit den Waren sind auf der Rückseite mit Buchstaben versehen — A, B C, oder D. Die Buchstaben finden sich auch auf dem Spielplan bei den einzelnen Städten in den Regionen wieder. Auf diese Weise ist die Zuteilung der Waren zu Spielbeginn zwar zufällig, trotzdem aber auch ausgewogen.

Insgesamt ergibt das einem rundum gelungenen Gesamteindruck. Neue Spieler werden allerdings am Anfang von der Punkteleiste rund um den Plan irritiert sein. Die als Variante in den Regeln vorgeschlagene Zwischenwertung für Erstspieler hat selten eine wirkliche Aussagekraft. 

Licht & Schatten

eingängiger Spielablauf
Spielmaterial erklärt das Spiel
ansprechende Ausstattung
Concordia Karte zu stark
trickreiche Abrechnung am Spielende
fehlende Interaktion

Fazit

Concordia lässt sich mühelos aus dem Bauch heraus spielen, aber selten auf diese Weise gewinnen. Das Timing beim ausspielen der Personenkarten ist genau so wichtig wie Einschätzung, wo die anderen Mietspieler in Bezug auf die Siegpunkte stehen. Da aber erst am Ende überhaupt eine Wertung stattfindet, ist das eine Herausforderung. 

Ebenso wichtig wie die Anzahl an Personkarten auf der eigenen Hand ist eine kontinuierliche Ausbreitung. Nicht selten bietet es sich an, als zweiter oder dritter trotz der damit verbundenen zusätzlichen Kosten ein Haus in einer Stadt zu errichten.

Sowohl die Personenkarten auf der Kartenablage als auch die Anzahl der verbleibenden Häuser im Vorrat der Mitspieler sollte man nicht aus den Augen verlieren. Wenn eines davon aufgebraucht ist, wird die letzte Spielrunde eingeläutet. Derjenige, welcher das Ende  auslöst, erhält die Concordia-Karten. Sie scheint allerdings zu stark zu sein, denn sie gibt ihrem Besitzer sieben zusätzliche Siegpunkte. 

Was aus Ausgleich dafür gedacht ist, dass alle anderen Mitspieler noch einen letzten Zug haben, verhindert häufig auch die Chance auf den Sieg der anderen. Insbesondere dann, wenn der der Startspieler  die Concordia-Karte ergattert.

 Abgesehen von dieser kleinen Schwäche  hat man mit Concordia grundsolides Spiel vor sich. Zudem noch eins, welches sich immer wieder anders spielt und auf Grund der Varianz in den Spielplänen auch in jeder Besetzung gut funktioniert.

Der Deckbau-Mechanismus unterschiedet sich wohltuend von anderen Deckbau-Spielen. Er ist ein zentrales Element, aber nicht das Einzige. Zudem können die Spielerinnen und Spieler jederzeit entscheiden, welche Karte aus ihrem Vorrat sie spielen wollen.

Zu Concordia sind mittlerweile eine ganze Reihe von Erweiterung erschienen, vor allem neue Spielpläne, welche die Abwechslung noch weiter erhöhen und neue Herausforderungen bieten. Mit Concordia Salsa wird zudem Salz als neue Warensorte eingeführt, die wie ein Joker verwendet wird. 

Das 2018 erschienen „Concordia Venus“ ermöglicht zudem eine Teamspiel. Ob und welche Erweiterungen man benötigt, hängt davon ab, wie häufig Concordia auf den Spieltisch kommt. Gerade bei einem Spiel zu zweit bietet sich in jedem Fall Gallia / Corsica an, da die Corsica-Seite des Spielplans besonders kompakt ist.

Trotz fehlender Interaktion ist Concordia ein fast schon ein Klassiker im Spieleregal. Zudem kann es Türöffner für andere, komplexere Spiele sein.

KurzInfo

Concordia
2 bis 5
90 bis 120 Min.
BoardGameGeek
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Glücksfreie Mischung aus Deckbuilder und Aufbauspiel. Trotz Konkurrenz um lukrative Plätze schafft man seinen Mitspielern auch neue Möglichkeiten. Abgerechnet wird allerdings erst am Ende.

Bewertung

Gespielte Partien

21

Gesamtspielzeit

33 h

Mitspieler

4

Zuletzt Gespielt

24.04. 2019
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