Terraforming Mars

Am Anfang stand eine gehörige Portion Skepsis. „Dieses Spiel wird euch gefallen”, hieß es. Dennoch löst bei mir der Anblick von Terraforming Mars zunächst keine Begeisterung aus. Dabei mag ich sowohl komplexe Spiele als auch (Science) Fiction für den thematischen Hintergrund. Ohne es selber gespielt zu haben, führte die Diskussion um die Qualität des Spielmaterials bei mir jedoch zu Desinteresse. Dennoch, die Gerüchte, ein gutes Spiel zu verpassen, hielten sich.

Spielplan von Terraforming Mars
bewohnbare Marsoberfläche

Worum geht es in diesem Spiel

Beim Terraforming handelt es sich um einen Prozess der Umwandlung. Aus einem unbewohnbaren Planeten soll eine Umgebung werden, in der Menschen leben können. Das Ganze ist in der Realität noch Zukunftsmusik, im Brettspiel Terraforming Mars ist es das Spielziel. Genauer gesagt, das Spielende wird eingeläutet, wenn alle neun Ozeanplätchen auf dem Spielbrett (der Marsoberfläche) liegen und der Sauerstoffgehalt  14 Prozent sowie die Temperatur  8 Grad über Null erreicht haben.  Dabei schlüpfen die Spieler in die Rolle von Konzernen, die um den größten Einfluss auf dem Mars wetteifern. Gewonnen hat am Ende der Konzern, der die meisten Siegpunkte errungen hat — diese setzen sich aus unterschiedlichen Wertungskategorien zusammen

Spielablauf

Zu Beginn entscheidet sich jeder Spieler (außer in der Einsteigervariante) für einen von zwei zufällig zugeteilten Konzernen. Dabei hat jeder Konzern unterschiedliche Startvoraussetzungen und zum Teil auch Sonderfertigkeiten. So kann zum Beispiel „Helion“ produzierte Wärme als Ersatz für Megacredits nutzen. Apropos Megacredits. Der gewählte Konzern legt auch fest, wie viel man davon als Startkapitel erhält. Da alles im Spiel seinen Preis hat, wird das Startkapital selbst bei der Spielvorbereitung relevant.

Jedem Spieler werden zu Beginn 10 Projektkarten zugeteilt. Diese können später in den Aktionsphasen ausgespielt werden. Sie beeinflussen das Terraforming, geben dem eigenen Konzern Vorteile, zusätzliche Aktion, Siegpunkte oder Ressourcen. Manchen der Karten haben bestimmt Bedingungen, die erfüllt sein müssen um die betreffende Karte ausspielen zu können. Etwa ein bestimmte Mindesttemperatur oder einen maximalen Sauerstoffgehalt.

Wie im späteren Spielverlauf auch muss jede Aktionskarte, die ein Spieler auf die Hand nehmen will, bezahlt werden. Da jede Karte mit drei Megacredits zu Buche schlägt, ist das Startkapital schnell verbraucht. Häufig ist es sinnvoll, nicht alle zehn Startkarte zu kaufen. Insbesondere dann, wenn sie erst sehr spät im Spiel auf Grund der notwendigen Umweltbedingungen ausgespielt werden kann.

Nach dem die Spieler sich für einen Konzern entschieden haben, darf der Startspieler seine zwei ersten Aktionen durchführen. Diese bestehen entweder aus den auf dem Spielplan ausgedruckten so genannten Standardaktion. Oder aber er spielt Projektkarten aus seiner Hand aus. Zusätzlich hat er noch die Möglichkeit im Rahmen seiner Aktionen, einen von drei möglichen Meilensteinen zu beanspruchen oder einen Auszeichnung, die am Spielende vergeben wird, zu sponsern — hier gilt, dass nicht automatisch der Sponsor selber auch die Auszeichnung erhält.

Der Reihe nach führen die Spieler dann jeweils ein bis zwei Aktionen durch, bis jeder gepasst hat. Es folgt die Produktionsphase, in der die Spieler Stahl, Titan, Pflanzen, Energie und Wärme produzieren so wie neue Megacredits bekommen. Sofern die globalen Parametern noch nicht ihre Zielwerte erreicht haben, wechselt der Startspieler und jeder erhält vier neue Projektkarten zur Auswahl — auch diese müssen ebenfalls wieder bezahlt werden.

Alternativee Startspielerfigur
alternativer Startspielermarker

Spielgefühl

Durch die enorme Menge an Projektkarten gibt es eine hohe Auswahl an Möglichkeiten, seinen Konzern zum Sieg zu führen. Im Kern des Spiels macht man nicht nur den Mars bewohnbar, sondern baut seinen Konzern aus, um mehr Handlungsspielraum zu bekommen — ein klassisches Engine Building. Durch die hohe Kartenanzahl und den Umstand, dass man nicht alle Karten kaufen kann, dauert es es einige Partien, bis man alle Projekt zumindest schon mal gesehen hat. Da es stärkere und schwächere Karten gibt, empfiehlt es sich auf jeden Fall, mit der in den Spielregeln erwähnte Drafting-Variante zu spielen. Das gleicht das Glück bei der Zuteilung der Projektkarten erheblich aus.

Selbst wenn man aber mit seinem Konzern eher auf dem hinteren Plätzen in Bezug auf den Spielziel rangiert, macht Terraforming Mars Spaß. Ein Wenig ist es wie ein Sandkasten, man probiert unterschiedliche Dinge aus und freut sich darüber, wie sich die Oberfläche des Mars langsam aber stetig wandelt. 

Es keinesfalls so, dass jeder vor sich hin einspielt, denn man konkurriert nicht nur in Bezug auf Siegpunkte miteinander. Lukrative Bauplätze mit zusätzlichen Boni sind knapp. Zudem kann man mit bestimmten Aktionen seinen Mitspielern gehörig in die Suppe spucken. Etwa dann, wenn eine riesiger Meteorit bei einem gegnerischen Konzern Pflanzen zerstört, welche die Firmenleitung bereits für das Auslegen eines Grünfächenplättchens verplant hatte.

Spielmaterial

Es gibt viele Punkte bei Terraforming Mars, wo das Spiel wirklich glänzt. Bei den Spielregeln und beim Spielmaterial ist das leider nicht so. Die Regeln muss man sich erarbeiten, nicht alles ist beim ersten durchlesen nachvollziehbar. Ein Ablaufdiagramm auf der Rückseite der Spielanleitung wäre wünschenswert gewesen. Wie auch ein Wertungsblock für das Spielende. 

Wirklich eine kleine Unverschämtheit sind die dünnen Spielertableaus, auf denen die Ressourcen und Produktionsmarker gelegt werden. Eine ungeschickte Bewegung und alles verrutscht. Mittlerweile gibt es eine Reihe von Auflagen aus Plexiglas beziehungsweise vollständig neue Tableaus die man sich bestellen kann. Am besten kauft man sich direkt einen Schachteleinsatz, denn damit ist Terraforming Mars schneller aufgebaut.

Abzüge in der B-Note gibt es auch für die Resourcenwürfel. Durch das gewählte Produktionsverfahen löst sich die metallisch glänzende Farbe Stück für Stück ab.

Die dem Spiel beigelegten Übersichtskarten reichen für vier Spieler. Ausgelegt ist Terraforming Mars für bis zu fünf Spielern. 

Auf die grafische Gestaltung der Projektkarten muss man nicht noch gesondert eingehen. Sie ist nämlich so gut wie nicht vorhanden. Der größte Teil der verwendeten Fotos mag zwar zweckdienlich sein, ist aber ausgesprochen hässlich.

Licht & Schatten

thematisch sehr stark

bleibt bis zum Schluss spannend

durch viele Projektkarten sehr variabel

Spielmaterial mit Schwächen

Anleitung zu kompliziert geschrieben

zusätzliche Overlays für die Spielertableaus erforderlich

Fazit

Schon bei der ersten eigenen Partei von Terraforming Mars zeigte sich, welches Suchpotential das Spiel entfalten kann — wenn man sich auf das Thema einlässt. Es entsteht im Laufe einer Partei wirklich das Gefühl, einen Planeten bewohnbar zu machen. 

Während andere Spiele stark von der Spielerzahl abhängig sind und zum Teil Sonderegeln für kleine Runden benötig, kommt Terraforming Mars ohne solche Hilfsmittel aus. Es spielt sich in jeder Besetzung hervorragend, lediglich die Spieldauer variiert und kann bei voller Besetzung schon mal dreieinhalb Stunde erreichen. Dreieinhalb Stunden, die sich nicht als solche anfühlen und extrem kurzweilig sind. Etwas Disziplin bei den Mitspieler ist hilfreich, um die Spieldauer zu verkürzen. Auch wenn es Unwägbarkeiten gibt, lässt sich der eigene Zug vorausplanen. Genau sollte dann auch genutzt werden.

Für Freunde komplexerer Spiele ist Terraforming Mars auf jeden Fall eine Empfehlung.

KurzInfo

1 bis 5
120 bis 180 Min.
BoardGameGeek
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Definitiv ein Expertenspiel. Das Terraforming des roten Planten ist immer wieder aufs Neue spannend, man sollte jedoch unbedingt die Drafting-Variante spielen. Damit sinkt das Kartenglück auf ein erträgliches Maß.

Bewertung

Gespielte Partien

13

Gesamtspielzeit

46 h

Mitspieler

7

Zuletzt Gespielt

2. November 2018
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