Welcome to…

Das Bauen von Siedlungen und Städten scheint in der Natur des Menschen zu liegen. Wo sich zwei oder drei zusammenfinden, wird nicht nur ein Nachbarschaftsverein gegründet, sondern auch Häuser gebaut und Zäune hochgezogen. Viel Wert wird dabei  auf die ordentliche Nummerierung der Häuser gelegt.

Trotz Straßen soll es jedoch überall schön grün sein, denn das trägt genau so zur Wertsteigerung der Anwesen wie Immobilienmakler. Wer sich beim ganzen Baustress entspannen möchte, tut das gerne im hauseigenen Swimmingpool.

Willkommen in der Welt von Welcome to your perfect home, ein Spiel aus der Familie der so genannte Roll-and-write Spiele mit Karten statt Würfeln.

ausliegenden Hausnummern

Worum geht es in diesem Spiel

Es war einmal in Amerika in den 1950er Jahren. Pastellfarben, geschwungene Kurven und ein unbedingter Fortschrittsglaube. Für die aufkommenden Partys und den Einsatz die ersten Kugelgrille brauchte man Platz, am besten einen eigenen Garten in einer der neu entstehenden Vorstadtsiedlungen. 

Die Spielerinnen und Spieler sollen ihren Teil dazu beitragen, den Traum vom American Way of Life zu ermöglichen. Dazu schlüpfen sie in die Rolle von Architekten, die mehrere Straßenzüge in einer noch namenlosen Vorstadt errichten werden. Dabei dreht es sich bei Welcome to… alles um die Hausnummern der Neubauten. Die müssen ordentlich aufsteigend pro Straße vergeben werden. 

Natürlich will jeder Mitspieler dabei möglichst viele Parks in seinen Straßen haben und Häuser mit Pools sind auch deutlich lukrativer. 

In jeder Runde wählen alle gleichzeitig eine der drei ausliegenden Kombinationen von Hausnummer und Aktionssymbol aus und tragen sie auf ihrem Spielzettel ein.

Das Spielende ist erreicht, wenn alle Häuser gebaut, jemand alle drei städtische Vorgaben erfüllen konnte oder aber, die dritte Baugenehmigung eines Spielers nicht bewilligt wurde. Es werden in allen Kategorien die Punkte zusammengezählt. Der- oder diejenige mit den meisten Punkten gewinnt die Partie.

Spielablauf

Die Spielerinnen und Spiler erhalten zu Beginn einer Partie Welcome to… einen Spielzettel vom Block. Sie können sich einen Namen für ihre Vorstadt ausdenken und ihn oben links auf den Zettel schreiben — sofern sie mit Stift und Schreibunterlage versorgt wurden. Zudem gibt es noch Spielhilfe mit einer Übersicht der Aktionen.

Die insgesamt 81 Baukarten werden gemischt und in drei Stapel zu je 27 Karten aufgeteilt. Dabei zeigt die Rückseite immer eine Hausnummer. Zudem gibt die Rückseite einen Hinweis, welche Aktion auf der Vorderseite abgebildet sind.

Je nach dem, welche Variante gespielt wird, werden die passenden Stadtplankarten herausgesucht und jeweils eine von jeder Sorte ausgelegt. Durch die Erfüllung der abgebildeten Baubedingungen können zusätzliche Punkte erzielt werden. Die jeweils Ersten bekommen dabei mehr Punkte als diejenigen, welche die Vorgaben erst zu einem späteren Zeitpunkt erfüllen.

Nach dem das Spielmaterial vorbereitet wurde, kann losgespielt werden. Da alle gleichzeitig ihre Spielzettel befüllen, gibt es keinen Startspieler und fast keine Wartezeiten.

In jeder Runde wird von den drei Zugstapeln jeweils eine Karte umgedreht und vor den entsprechenden Stapel gelegt. Auf diese Weise sind drei Paare von Hausnummern und Aktionen gleichzeitig zu sehen. Die Spielerinnen und Spieler suchen sich jeder für sich eines der Paare aus und tragen auf ihrem Spielzettel die Hausnummer ein und führen die dazugehörige Aktion durch.

Dabei dürfen in den insgesamt drei Straßen auf dem Spielzettel Hausnummern grundsätzlich nur in aufsteigender Reihenfolge eingetragen werden. Ist dies nicht mehr möglich, muss der Spieler eines der drei Felder für einen abgelehnten Bauantrag anstreichen.

Durch die mit den Hausnummern verbundenen Aktionen ergeben sich sowohl Möglichkeiten, zusätzliche Punkte für die Siedlung zu bekommen als auch die Chance, eine der ausliegenden Baubedingungen zu erfüllen.

Insgesamt gibt es dabei sechs verschiedenen Aktionen. Diese müssen immer zusätzlich zum eintragen der Hausnummer durchgeführt werden, auch wenn das zum Nachteil des Spielers ist. 

Mit Zäunen werden Häuser von einander abgetrennt, sie wichtig für die Erfüllung der Baubedingungen. Immobilienmakler steigert den Wert von benachbarten Häusern. 

Jeder Park in einer Straße bringt zusätzliche Punkte, genau so wie Häuser, die mit einem Pool errichtet wurden. Über „Zeitarbeiter“ lässt sich die einzutragenden Hausnummer erhöhen oder verringern und mit „Bis“ darf eine in einer Straße eine bereits vorhanden Hausnummer erneut verwendet werden — was aber am Spielende Minuspunkte bringt.

Erreicht ist das Spielende dann, wenn eine von drei Bedingungen erfüllt ist. Entweder wurde in allen Straßen alle Häuser gebaut, ein Spieler konnte alle drei Baubedingungen erfüllen oder aber bei einem Mitspieler wurde die dritte Baugenehmigung nicht bewilligt. 

Aachen ist fertig

Spielgefühl

Streng genommen ist Welcome to… kein Roll-and-write Spiel, weil Karten umgedreht werden und Würfel nicht zum Einsatz kommen. Ab und an kann das jedoch etwas nerven, zum Beispiel dann, wenn Karten mitten im Spiel neu gemischt werden müssen. Genau das Mischen macht aber einen erheblichen Unterschied in Bezug auf die Verteilung der Hausnummern. Bei einem Würfelwurf kommt eine Ergebnis mit immer der gleichen Wahrscheinlichkeit vor. Bei den Hausnummern auf Karten ist das anders. Welche davon wie oft vorkommt, ist in Anleitung bei den Baukarten detailliert beschrieben. Am häufigsten ist es die 8. Wohingegen 1,2,14 und 15 nur jeweils drei Mal vorkommen. Aber sie werden auf jeden Fall irgendwann gezogen. Das wird wahrscheinlicher, je kleiner die Kartenstapel werden. Man kann sich also sicher sein, dass eine Nummer, auf welche man wartet, auf jeden Fall kommt.

Zumindest dann, wenn ein Mitspieler nicht die Karten nach der Erfüllung eines Bebauungsplans neu mischt. Der Wettlauf darum, als Erster einen Bauauftrag zu erfüllen, ist auch einer der seltenen Stellen in Spiel, wo man so was wie Interaktion erahnen könnte. Ansonsten ist Welcome to… eine ziemlich solitäre Angelegenheit. Was natürlich auch erklärt, warum man das Spiel mit bis zu 100 Mitspielern und auch noch mehr spielen kann.

In den meisten Fällen muss man nicht lange warten, bis die nächste drei Karten umgedreht werden. Das macht das Spiel kurzweilig. Allerdings hat man selten im Blick, was und wo die Mitspieler etwas eintragen. Am Spieltisch setzt dies voraus, dass alle ehrlich spielen. Hinterher lässt sich nicht mehr nachvollziehen, ob irgendwo etwas „versehentlich“ eingetragen wurde.

In jeder Runde sind die zur Auswahl stehenden Möglichkeiten überschaubar. Durch die Vorschau die die nachfolgenden Aktionen ergibt sich eine gewisse Planbarkeit. Zufall ist immer noch vorhanden, aber gleichzeitig auch das Gefühl, das Schicksal seines Vorortes in der Hand zu haben.

Spielmaterial

Positiv erwähnen soll man bei Welcome to… das thematisch ansprechend gestaltete Spielmaterial. So findet sich etwa auf der Rückseite der Spielhilfen unterschiedliche fiktive Werbung aus den 1950er Jahren. Zum spielen benötigt man nur die Karten und die Spielzettel, kann das Spiel also theoretisch fast überall mit hin nehmen.

Absolut unangenehmen fällt jedoch bei Welcome to… die deutschsprachige Spielanleitung auf. Diese als Katastrophe zu beziehen, wäre noch untertrieben. Das wird insbesondere dann deutlich, wenn man die englischen Regeln zum Vergleich heranzieht. Diese sind allerdings nicht das Original, da Welcome to… von einem französischen Spielautor stammt.

Welche Fassung die Vorlage für die deutsche Übersetzung war, lässt sich nicht so einfach nachvollziehen, vermutlich war es aber das französische Original.
Übersetzt wurde die Regeln ins Deutsche von Jürgen Bartelheimer. Dem möchte ich an dieser Stelle nichts unterstellen. Auch nicht, dass er gerne und viel Brettspiele spielt.

Man merkt den übersetzten Regeln leider an, mit wie wenig Sensibilität für die Materie hier ans Werk gegangen wurde. Selbst die englischen Regeln sind mit mittelmäßigen Schulenglisch-Kenntnissen verständlicher als die deutsche Fassung.

Der Übersetzter hat offensichtlich nicht verstanden, dass Spielregeln keine Prosa sind. Sprache dient der Verständlichkeit. Wortwiederholung sind daher  hilfreich, gerade dann, wenn sie die Spielmechanik verdeutlichen sollen.

In der englischen Version der Regeln wird konsequent von player gesprochen. Anders in der deutschen Übersetzung. Dort heisst es

Wir wenden uns, in diesen Spielregeln, natürlich immer zugleich an Spielerinnen und Spieler, oder Architekten/innen! Um die Lektüre nicht unnötig zu erschweren, haben wir darauf verzichtet, dies immer durch die weibliche UND männliche Form zu betonen.

— nur das mit „Architekt“ ein völlig neuer Begriff ins Spiel kommt, den es so in der englischen Version nicht gibt. Sicher, es hört sich für Romanleser unschön an, wenn immer und immer wieder von Spieler als Begriff verwendet wird. So ist das aber bei Brettspielen. Leider wird das Ganze noch schlimmer. So heisst es etwa:

Die Baukarten mischen und 2 identische Stapel bilden. Versteckt die Solo-Karte in einem der beiden und legt diese dann unter dem anderen.

Ist das jetzt gut gemacht oder lediglich gut gemeint? In der englischen Anleitung liest sich die betreffende Passage wie folgt:

Shuffle the Construction cards, effect side face up and randomly deal out two equal stacks. Shuffle the Solo card into one of these two stacks, then place this stack under the other without shuffling again.

Dort wird drei Mal der Begriff „shuffle“ also zu Deutsch „mischen“ verwendet. Versteht jeder. Die Verwendung von „verstecken“ ist an dieser Stelle einfach nur Blödsinn. Das kommt dabei raus, wenn man Wortwiederholung vermeiden will. In der Prosa häufig angebracht, in Spielregeln eher nicht, wie man sieht.

Ärgerlich ist es auch das Fehlen einer wichtigen Regeln in der deutschen Fassung. Auf Seite 8 bei den Siedlungsplänen fehlt im Hinweis der folgende Satz:

The first player who completes a goal can choose to reshuffle the 81 Construction cards and deal three new stacks of cards as in game setup.

Zu Deutsch, der Stapel mit den Baukarten kann vom ersten Spieler, der die Bedingungen einer Baukarte vollständig erfüllt, komplett neu gemischt werden.

Im Übrigen: Sowohl in der englischen als deutsche Regel ist ein Fehler beim Kreisverkehr (Seite 11) enthalten. Der zweite Kreisel kostet 8 Punkte, wie man auf dem Spielblock unschwer erkennen kann.

Unglücklich gewählt sind bereits im Französischen die Bezeichnungen einiger Aktionen. Zum Beispiel die Aktion „Zaun bauen“. Leider heisst die in den Regeln nicht so, sondern „Geometer“, im Französischen „Géomètre“. Versteht sofort jeder. Gemeint ist damit ein Gutachter beziehungsweise Vermessungsingenieur (es gibt noch andere Übersetzungen als die mit Google Translate…).

In der deutschen Regel heisst es „Der Geometer zieht einen Zaun zwischen zwei Häusern einer Straße“, was absoluter Blödsinn ist. Die Aktion erlaubt einem das, was in der englischen Anleitung treffender wie folgt beschrieben wird: „Allows the player to build a fence between two houses on the same street.

Was Zeitarbeiter mit der Modifikation von Hausnummer zu tun hat, weiss vermutlich noch der Spielautor selber. Nicht intuitiv ist auch Hausnr. bis“, denn hierzulande verwenden wird Buchstaben, um Häuser mit ansonsten identischen Hausnummern voneinander zu trennen.

Am besten lernt man Welcome to… dadurch, dass man es sich erklären lässt — egal in welcher Sprache. Die Spielhilfen sind hier eine gute Unterstützung, wenn man denn mal ihre Symbolik verstanden hat.

Licht & Schatten

beliebige Spielerzahl

alle spielen gleichzeitig

erfrischend anders

kurzweilig

katastrophale deutschsprachige Anleitung

verwirrende Begrifflichkeit

Null Interaktion

Schummeln möglich

Fazit

Auch wenn man nur Zahlen einträgt und Kreuze macht, hat man bei Welcome to… trotzdem das Gefühl, eine Vorstadt zu bauen. Ein Grund, warum das Spiel aus der Masse der ansonsten überwiegenden abstrakten Roll-and-write Spiele herausragt. Die Mischung aus Zufall und Planbarkeit ist in jedem Fall gelungen, was man von der Spielanleitung leider nicht so sagen kann. 

Welcome to… eignet sich hervorragend als Pausenfüller oder Absacker, bietet aber für einen kompletten Spieleabend zu wenig Substanz — was aber nicht schlimm ist, denn Welcome to… gibt nicht vor, mehr zu sein. Möglicherweise wird sich das jedoch in Zukunft ändern, da der Verlag gleich sechs neue Erweiterungen angekündigt hat. Unter anderem Ostern, Kalter Krieg, Halloween und natürlich auch was mit Zombies. Ob man diese Erweiterungen unbedingt benötigt, muss letztendlich jeder für sich entscheiden. Abwechslung und Herausforderung genug bietet bereits das Grundspiel. Mehr braucht man eigentlich nicht.

Nicht nur für Soiltärspieler eine lohnenswerte Partie.

KurzInfo

Welcome to...
1 bis 100
25 Min.
BoardGameGeek
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Mit Karten statt Würfeln baut man bei Welcome to... seine eigene Vorstadtsiedlung. Jede Runde wird eine Zahl eingetragen und etwas angekreuzt. Eigentlich eine einfache Spielmechanik, aber mit einer gelungenen thematischen Umsetzung.

Bewertung

Gespielte Partien

11

Gesamtspielzeit

4 h

Mitspieler

4

Zuletzt Gespielt

29.03. 2019
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